SINGULUS
TECHNOLOGIES

Geschäftsbericht 2015

Jahresabschluss nach HGB

Verschmelzung der SINGULUS STANGL SOLAR GmbH

Mit Vertrag vom 21. Juli 2015 wurde die SINGULUS STANGL SOLAR GmbH als aufzunehmende Gesellschaft auf die SINGULUS TECHNOLOGIES AG als aufnehmende Gesellschaft verschmolzen. Die Verschmelzung erfolgte zu Zeitwerten mit Rückwirkung zum 1. Mai 2015. Die Vorjahresvergleichszahlen sind aus diesem Grund nur eingeschränkt mit den Angaben für das Berichtsjahr 2015 vergleichbar. Dies betrifft in der Bilanz insbesondere die Finanzanlagen, Vorräte und sonstige Rückstellungen, in der Gewinn- und Verlustrechnung die Umsatzerlöse, Bestandsveränderung, Materialaufwand und Personalaufwand sowie die sonstigen finanziellen Verpflichtungen. Im Rahmen der Verschmelzung wurden am Verschmelzungsstichtag stille Reserven in Höhe von 28,0 Mio. € auf Basis eines externen Bewertungsgutachtens aktiviert. Im Wesentlichen entfallen diese auf einen Geschäfts- oder Firmenwert in Höhe von 17,0 Mio. € sowie Technologie in Höhe von 8,1 Mio. €. Aus dem Verschmelzungsvorgang resultierte ein Verschmelzungsverlust in Höhe von 4,3 Mio. €.

Jahresabschluss nach HGB/Finanzkennzahlen
Mio. €

2015 2014
Umsatz 29,8 48,2
Gesamtleistung 57,0 60,6
Materialaufwand -57,7 -44,4
Personalaufwand -23,5 -20,2
Sonstige betriebliche Aufwendungen/Erträge -12,6 -13,5
Erträge aus Beteiligungen 0,0 9,8
Jahresfehlbetrag -53,7 -11,0
 
Anlagevermögen 45,5 50,6
Umlaufvermögen (ohne liquide Mittel) 29,6 53,8
Liquide Mittel 15,8 29,2
Eigenkapital -20,4 33,3
Rückstellungen 27,2 21,9
Anleihen 60,0 60,0
Übrige Verbindlichkeiten 24,2 18,4
Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der SINGULUS TECHNOLOGIES AG

Die Umsatzerlöse sowie das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit entwickelten sich in 2015 bedingt durch den negativen Geschäftsverlauf des Geschäftsbereichs Optical Disc deutlich unter den Erwartungen (einschließlich der Erwartung für die ehemalige SINGULUS STANGL SOLAR GmbH). Insbesondere das geplante Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wurde aufgrund einer deutlichen Verfehlung der Absatzzahlen der Produktionsanlage BLULINE II nicht erreicht. Auch innerhalb der Geschäftsbereiche Solar und Halbleiter blieben die jeweiligen Umsatzerlöse und Jahresergebnisse weit hinter den Erwartungen zurück, da die zwei weitestgehend bearbeiteten Großaufträge erst in 2016 abgenommen und dann gemäß HGB zu Umsatz werden. Im Folgenden wird auf die entscheidenden Effekte der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des abgelaufenen Geschäftsjahres eingegangen.

Der Umsatzrückgang um 18,4 Mio. € oder 38,1 % auf 29,8 Mio. € war vorwiegend auf rückläufige Erlöse im Geschäftsbereich Optical Disc aufgrund von Mengeneffekten zurückzuführen. Innerhalb dieses Segments betrugen die Umsatzerlöse 17,0 Mio. € (Vorjahr: 31,4 Mio. €). Im Geschäftsbereich Solar lagen die Umsatzerlöse von 7,9 Mio. € ebenfalls unter Vorjahresniveau (Vorjahr: 12,6 Mio. €). Der Umsatz im Geschäftsbereich Halbleiter betrug 5,0 Mio. € gegenüber 4,2 Mio. € im Vorjahresvergleich.

Die Erhöhung des Bestands an unfertigen Erzeugnissen ist hauptsächlich auf den Bestandsaufbau von Maschinen im Geschäftsbereich Solar zurückzuführen.

Die sonstigen betrieblichen Erträge in Höhe von 5,8 Mio. € (Vorjahr: 2,3 Mio. €) beinhalten im Wesentlichen die Auflösung von Rückstellungen aufgrund ausgelaufener Gewährleistungsverpflichtungen (2,0 Mio. €) sowie Ausbuchung von Verbindlichkeiten (1,0 Mio. €).

Der Materialaufwand erhöhte sich von 44,4 Mio. € auf 57,7 Mio. €. Im Geschäftsjahr 2015 lag die Gesamtleistung (Umsatzerlöse zzgl. Bestandsveränderungen) bei 57,0 Mio. € (Vorjahr: 60,6 Mio. €). Dies entspricht einer Materialaufwandsquote von 101,3 % (Vorjahr: 73,2 %). Die Erhöhung ist vornehmlich auf Wertberichtigungen von Vorratsvermögen im Zusammenhang mit der Neubewertung der Geschäftsaktivitäten im Segment Optical Disc zurückzuführen. Bereinigt um Sonderaufwendungen in Höhe von insgesamt 10,8 Mio. € ergibt sich eine Materialaufwandsquote von 82,3 %.

Der Personalaufwand in Höhe von 23,5 Mio. € (Vorjahr: 20,2 Mio. €) liegt über Vorjahresniveau. Der Anstieg ist auf die Verschmelzung der SINGULUS STANGL SOLAR GmbH auf die Muttergesellschaft mit Wirkung zum 30. April 2015 zu erklären. Bereinigt um diesen Effekt liegen die Personalaufwendungen unter Vorjahresniveau.

In den sonstigen betrieblichen Aufwendungen in Höhe von 18,5 Mio. € (Vorjahr: 15,8 Mio. €) sind größtenteils Jahresabschluss-, Rechts- und Beratungskosten, Raum- und Gebäudekosten, Kosten für Transport und Verpackung, Reise- und Bewirtungskosten sowie sonstige Mietaufwendungen enthalten. Die Rechts- und Beratungskosten erhöhten sich im Geschäftsjahr 2015 deutlich in Folge der Anleiherestrukturierung und beliefen sich daraus auf insgesamt 3,1 Mio. €. Weiterhin wurden im Berichtsjahr Wertberichtigungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 0,6 Mio. € (Vorjahr: 1,8 Mio. €) verbucht. Zudem resultierten aus der Veräußerung von zurückgekauften Anleihen im Nominalvolumen von 5,2 Mio. € sonstige betriebliche Aufwendungen in Höhe von 2,1 Mio. €.

Das Zinsergebnis war mit -6,0 Mio. € negativ (Vorjahr: -3,6 Mio. €). Die Finanzierungsaufwendungen lagen mit 7,2 Mio. € über Vorjahresniveau (Vorjahr: 5,7 Mio. €) und resultieren in Höhe von 4,7 Mio. € aus den Zinsaufwendungen im Rahmen der Begebung der Unternehmensanleihe in 2012. Der Anstieg der Finanzierungsaufwendungen resultiert im Wesentlichen aus Devisensicherungsgeschäften und Ausbuchungen von Zinsforderungen. Die Zinserträge in Höhe von 1,2 Mio. € (Vorjahr: 2,2 Mio. €) resultieren im Wesentlichen aus langfristigen Kundenforderungen.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit belief sich somit auf -49,7 Mio. € (Vorjahr: -11,7 Mio. €).

Die außerordentlichen Aufwendungen in Höhe von 4,3 Mio. € stehen im Zusammenhang mit der im Geschäftsjahr erfolgten Verschmelzung der SINGULUS STANGL SOLAR GmbH auf die SINGULUS TECHNOLOGIES AG mit Wirkung zum 1. Mai 2015. Wir verweisen auf das Kapitel Verschmelzung SINGULUS STANGL SOLAR GmbH.

Insgesamt ergab sich ein Jahresfehlbetrag von 53,7 Mio. € (Vorjahr: 11,0 Mio. €).

Die Bilanzsumme der Gesellschaft beläuft sich zum 31. Dezember 2015 auf 111,4 Mio. €, dies ist ein Rückgang um 22,2 Mio. € im Vergleich zum Vorjahr.

Das Anlagevermögen hat einen Anteil an der Bilanzsumme von 40,8 % und beläuft sich zum Bilanzstichtag auf 45,5 Mio. € (Vorjahr: 50,6 Mio. €). Hierbei erhöhten sich die immateriellen Vermögensgegenstände im Besonderen im Zusammenhang mit der Verschmelzung der SINGULUS STANGL SOLAR GmbH um 24,0 Mio. € und betragen zum Bilanzstichtag 25,5 Mio. € (Vorjahr: 1,4 Mio. €) und sind in den Folgejahren ratierlich abzuschreiben. Gegenläufig verminderten sich die Finanzanlagen um 30,0 Mio. €. Dieser Rückgang ist hauptsächlich auf den Untergang des Gesellschafterdarlehens an die SINGULUS STANGL SOLAR GmbH im Rahmen der Verschmelzung zurückzuführen. Zum Bilanzstichtag betrugen die Finanzanlagen 7,3 Mio. € (Vorjahr: 37,3 Mio. €).

Die Vorräte liegen mit 21,5 Mio. € bei starkem Anstieg der erhaltenen Anzahlungen unter Vorjahresniveau (Vorjahr: 31,0 Mio. €), im Wesentlichen bedingt durch Wertberichtungen auf unfertige Erzeugnisse. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen belaufen sich zum Bilanzstichtag auf 4,8 Mio. € und haben sich aufgrund der rückläufigen Geschäftstätigkeit sowie Rückzahlungen von langfristigen Kundenforderungen im Vergleich zum Vorjahr um 9,8 Mio. € vermindert.

Insgesamt waren die liquiden Mittel im Geschäftsjahr 2015 um 13,4 Mio. € rückläufig und betragen zum Ende des Geschäftsjahres 15,8 Mio. €. Hiervon waren im Rahmen der Sicherheitshinterlegung für Kreditzusagen insgesamt 3,3 Mio. € auf Sperrkonten eingezahlt (Vorjahr: 3,6 Mio. €). Der Rückgang der liquiden Mittel ist hauptsächlich auf die schwache operative Geschäftstätigkeit sowie die Zahlung der Anleihezinsen zurückzuführen.

Das Eigenkapital verminderte sich im Berichtsjahr durch den Jahresfehlbetrag um 53,7 Mio. €. Damit weist die SINGULUS TECHNOLOGIES AG zum Berichtsjahresende einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in Höhe von 20,4 Mio. € aus. Im Vorjahr dotierte das Eigenkapital in positiver Höhe mit 33,3 Mio. €.

Zum 31. Dezember 2015 beträgt das Fremdkapital 111,4 Mio. € (Vorjahr: 100,4 Mio. €).

Die Rückstellungen haben sich insgesamt um 5,2 Mio. € erhöht und belaufen sich auf 27,2 Mio. € zum Bilanzstichtag. Die sonstigen Rückstellungen stiegen im Berichtszeitraum um 4,5 Mio. € an und betragen zum 31. Dezember 2015 insgesamt 17,4 Mio. €. Hierin sind im Wesentlichen Drohverlustrückstellungen, die hauptsächlich im Zusammenhang mit der Unterauslastung von Fertigungskapazitäten stehen (5,3 Mio. €), Restrukturierungsrückstellungen (2,2 Mio. €), Rückstellungen für ausstehende Rechnungen (2,5 Mio. €), Personalrückstellungen (2,5 Mio. €) sowie Rückstellungen für nachlaufende Herstellungskosten (1,5 Mio. €) enthalten.

Die Verbindlichkeiten haben sich von 78,4 Mio. € im Vorjahr auf 84,2 Mio. € zum 31. Dezember 2015 erhöht. Die Anleiheverbindlichkeit beläuft sich unverändert auf 60,0 Mio. €. Darüber hinaus bestehen Verbindlichkeiten in Höhe von 8,3 Mio. € aus den Leasingverbindlichkeiten für das Büro- und Produktionsgebäude am Sitz der Gesellschaft (Vorjahr: 9,3 Mio. €) sowie Zinsverbindlichkeiten im Zusammenhang mit der Anleihe in Höhe von 3,6 Mio. €.

Prognose für das Geschäftsjahr 2016 und 2017

Im Jahresabschluss nach HGB werden Kundenaufträge in den Geschäftsbereichen Solar und Halbleiter erst mit Endabnahme umsatzwirksam und damit, im Vergleich zur Umsatzrealisierung nach IFRS, zeitlich verzögert. Aufgrund der Projektstruktur im Segment Solar erwarten wir in 2016 deutlich mehr Endabnahmen in diesem Geschäftsbereich. Hierzu wird auch die mit Wirkung zum 1. Mai 2015 verschmolzene SINGULUS STANGL SOLAR GmbH maßgeblich beitragen. Im Geschäftsbereich Optical Disc liegen die Umsatzerwartungen leicht über dem erzielten Vorjahresniveau.

Insgesamt rechnen wir für das Geschäftsjahr 2016 mit deutlich steigenden Umsatzerlösen, jedoch mit einem leicht negativen Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit im Vergleich zum Geschäftsjahr 2015. Für 2017 gehen wir erneut von einem deutlichen Anstieg der Umsatzerlöse aus. Für das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit rechnen wir mit einem deutlichen Anstieg und einem positivem Wert. Unter der Voraussetzung der Umsetzung der finanziellen Restrukturierung erwarten wir wieder ein positives Eigenkapital. Es wird auf die Ausführungen „Wirtschaftliche Entwicklung und finanzielle Restrukturierung“ verwiesen. Zu denen der Prognose zugrunde liegenden Annahmen kann an dieser Stelle auf die Ausführungen für den Konzernabschluss verwiesen werden.